Das Magazin (Dtl.)- Extravagante Bienenzungenfertigkeiten

Naturschutz auf der Bühne? Regenwürmer und Wölfe als Protagonisten?! Als „Fräulein Brehm“ verkuppelt die Schauspielerin Barbara Geiger Wissenschaft und Schauspiel zu wundersamen Inszenierungen über bedrohte Tierarten

Foto: Karsten Bartel

Über ihr Theater zu sprechen, findet Barbara Geiger so ergiebig wie Trockenschwimmen. Lieber beginnt sie spontan mit der Vorstellung und wenn es sein muss, mitten in einem Baumwollfeld. In Indien war sie mit drei Ökobauern unterwegs. „Dieser Boden!“, schwärmt sie, „Schwarz wie die Nacht und da drüber die weißen, weichen Flocken, ich dachte, ich bin im Himmel!“ Sie bückte sich, nahm eine Hand voll Erde – „Wie die geduftet hat!“ – und biss sanft hinein. Die Bauern guckten verwundert, dann lächelten sie. Warum verspeiste die lebhafte Frau aus Deutschland den Boden?

Barbara Geiger war mal wieder zur Feldforschung unterwegs. Sie wollte erfahren, wie nachhaltige Landwirtschaft die Produktivität des indischen Regenwurms beeinflusst. Die Schauspielerin betreibt wissenschaftliches Theater, das sich mit gefährdeten Tierarten auseinandersetzt und der Regenwurm gehört inzwischen dazu. Ein ganzes Stück hat sie über den „König der Tiere“ geschrieben, wie sie ihn nennt, und es gibt immer neue Erkenntnisse, die sie sammelt und sofort einfließen lässt. Das sollten auch die indischen Bauern verstehen können, die ihr stundenlang ihre Farmen gezeigt hatten und von ihrer Arbeit berichteten.

Um ihnen auch etwas zu erzählen, öffnete Barbara Geiger ihren Laptop und begann mitten im Feld mit der Vorstellung. Die Sonne tauchte langsam in den Horizont. Die drei Bauern starrten auf den Bildschirm, auf Fotos vom Regenwurm und von Arnold Schwarzenegger, während die Schauspielerin daneben hockte und vom kleinen Muskelprotz erzählte, der für uns alle die Erde aufbereitet und so unser Leben erst möglich macht. Die Bauern waren begeistert. Sie verpflichteten das „Fräulein“, ihr tierisches Theater noch am selben Abend vor dem ganzen Dorf aufzuführen. „Drei Stromausfälle und holprige Übersetzungen“, erinnert sie sich, „es war die beste Vorstellung meines Lebens!“

Mitte der 1980er Jahre verließ Barbara Geiger ihre Heimat, ein niederbayerisches Kaff, um in London an der Richmond Drama School die Kunst des Schauspiels zu erlernen. Dass sie mittlerweile eine ganz besondere Art Theater spielt, war zunächst ihrer Schwäche für Sprache geschuldet. In einer Nacht im Jahr 2008 kramte sie die 150 Jahre alten Werke von „Brehms Thierleben“ hervor.

Die große Liebe begann ganz klein – mit den blumigen Beschreibungen der Amöbe, dem nickenden Glockentierchen, zog der wortgewandte Zoologe und Schriftsteller Alfred Brehm die Schauspielerin in seinen Bann. „Die Texte haben so etwas Shakespearsches an sich“, sagt sie. „Ich dachte mir, da lässt sich doch was draus machen.“ Sie erfand die Figur des »Fräulein Editha Filmine Brehm«, eine Mischung aus Miss Marple und Mary Poppins, die Naturforschung mit Theatralik und Unterhaltung verknüpft.