In vielen Dörfern des Nordostens leben auch ein paar Zugezogene, die aus den Großstädten der Republik aufs Land geflüchtet sind. Annika Kiehn gehört zu ihnen – sie bricht eine Lanze für einen Menschenschlag, der hierzulande nicht immer auf Zustimmung trifft.
Am Wochenende fallen sie besonders auf, die Autos mit den „fremden“ Kennzeichen: Berlin, Dresden, Hamburg. Neben einer alten Kate, einem Bauernhaus oder gar einem verwilderten Gutshaus parkend, verraten sie: Hier sind Sehnsüchtler zugange, jene Großstädter mit dem mehr oder weniger plötzlich entstandenen Wunsch nach einem rustikalen Leben.
Schon lange gehören diese Menschen zum ländlichen Bild dazu wie Wiesen, Weidetiere und Windräder. Argwöhnisch verfolgen die Einheimischen, was die „Zugezogenen“ in den leeren Häusern treiben, wo einst der mürrische Fritz wohnte oder die gutherzige Erna. Während die inzwischen zusammen im Himmel Karten spielen, machen sich die Neuen an ihre Hinterlassenschaften, werkeln und buddeln, was das Zeug hält und lächeln dabei auffällig oft vor sich hin. Frohen Mutes rackern sie sich ab, manchmal stellen sie sich beim Herumwerkeln vielleicht ein bisschen dämlicher an als die Einheimischen – aber dafür lassen sie sich nicht unterkriegen. Der Rest des Dorfes fragt sich unterdessen: Wer sind die? Und was haben die vor?
Ob nun angehender Teilzeit- oder Vollzeit-Provinzler, der Sehnsüchtler ist voller Tatendrang. Der Alteingesessene nimmt dies mit mäßiger Begeisterung auf, zumal dann, wenn die „Neuen“ sich nicht in die Dorfgemeinschaft integrieren und allenfalls zum Plausch am Gartenzaun bereit sind, wenn sie sich eine Schubkarre oder einen Anhänger ausleihen wollen. Neuzugänge, zumal von Menschen, die nicht ans Dorfleben gewöhnt sind, wirbeln das Vertraute auf wie ein mittelschwerer Sturm. Die „Neue Ländlichkeit“ hält Einzug.
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